„angekommen – angenommen“

Viele Hände in bunten Farben repräsentieren Vielfalt

Gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen mit und ohne Fluchterfahrung erarbeiten wir in zwei Aktionsgruppen ihre Lebensgeschichten und Erfahrungen und bringen diese in verschiedenen Modulen zum Ausdruck. Flankiert wird das Ganze durch ein (freizeit)pädagogisches Begleitprogramm

Das Projekt “angekommen – angenommen” hat vor allem die Aufnahmegesellschaft in Deutschland im Blick.

Die Geschichten der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen sind die Grundlage für die didaktischen Methoden, die wir gemeinsam mit ihnen entwickeln werden und die stationär, virtuell und mobil zum Einsatz kommen.

Modul “Ausstellung”

Es handelt sich hierbei um eine Ausstellung, die für die gesamte Woche zugänglich gemacht werden kann (allerdings in einem separaten, abgeschlossenen Raum). Die Ausstellung besteht aus 3 Teilen (Posterportraits, Kartons, Film) und bringt den Schülerinnen die verschiedenen Aspekte von Flucht und Ankommen näher. Das Ziel der Ausstellung ist es, dass Schülerinnen sowohl mit als auch ohne Führung den Inhalt rezipieren und verstehen können. Sie bietet sich als Ergänzung (oder der Vor- und Nachbereitung) der anderen Module von „Angekommen – angenommen“ an. Eine Reflexion im Anschluss wird allerdings empfohlen.

Modul “Pass.Worte”

„Du hast keine Zukunft in Afghanistan, Belal. Du kannst auf Deiner Flucht sterben, aber hier bist du schon tot. Also halte dich an deine Hoffnung. Deine Hoffnung muss stärker sein als deine Angst und stärker noch als deine Traurigkeit.“ Mit diesen Worten verlässt Belal seine Heimat, weil er dort von den Taliban mit dem Tod bedroht wird. Allein, vollkommen auf sich gestellt hat er keine andere Wahl, als sich in die Hände der wechselnden Schlepper zu begeben. Ausgenutzt, überfallen, nicht nur einmal knapp mit dem Leben davongekommen, erzählt Belal in Pass.Worte. seine Odyssee, deren Strapazen ihn einzig die Hoffnung auf ein sicheres Leben in Europa überstehen lässt. In einem Schiffscontainer zeigt Pass.Worte. eine auf wahren Begebenheiten beruhende Anhörung über Flucht, Vertreibung und Exil. Es ist das Zeugnis eines Jugendlichen, der binnen Monaten notgedrungen zum Mann reift und dennoch den kindlichen Wunsch auf eine glückliche Zukunft in seinem Herzen nährt. Die Besucher*innen erleben die Vorstellung auf Sitzbänken im Container und nehmen dabei den Blickwinkel eines Einzelentscheiders des BAMF ein. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Austausch mit den geflüchteten Jugendlichen, die am Projekt beteiligt sind. Für den Schiffscontainer muss ein ausreichend großer Hof oder Parkplatz an der Schule oder am Veranstaltungsort vorhanden sein.

Modul “Roadshow”

Es handelt sich hier um eine szenische Lesung. Jugendliche Tandems tragen eine syrische bzw. afghanische (Flucht)geschichte, die wirklich so erlebt wurde, vor (Dauer ca. 40 Minuten). Die Zuhörer*innen bewegen sich mit den Jugendlichen durch ein Gebäude mit dunklen und engen Räumen. Die Gestaltung der Räume sowie Geräusche und Stimmungen machen die Geschichte ein Stück weit erlebbarer. Im Anschluss erhalten sie weitere Informationen zur Situation geflüchteter Menschen und deren Perspektive. Zum Abschluss ist ein Austausch mit den beteiligten Jugendlichen möglich bzw. gewünscht.

Modul “Wartezimmer”

Ein theaterpädagogisches Angebot in Form eines interaktiven Klassenzimmerstücks, in dem durch ein Mesh-Up von persönlichen Geschichten, realen Problemen und der Einbindung der Zuschauenden in die tatsächlichen Aufgaben von Geflüchteten in Deutschland (z.B.das Verstehen eines Briefes der Ausländerbehörde, das Ausfüllen eines Antrags, Wohnung finden mit ausländischen Namen, Anerkennung von Zeugnissen etc.) die Schauspielerinnen und Zuschauerinnen zueinanderfinden. Durch den Peer-to-Peer Ansatz bei diesem Klassenzimmerstück geben die Geflüchteten ihr Wissen und ihre Erfahrungen an Gleichaltrige weiter und gleichzeitig werden auch die Zuschauenden als Expert*innen befragt und um Hilfe gebeten. Dadurch fallen hierarchische Strukturen und es beginnt ein informeller Informationsund Erfahrungsaustausch.

Modul “Workshop”

Der Workshop wird von einem Rhetoriktrainer und einem/einer Jugendlichen mit Fluchterfahrung geleitet. Die beiden agieren als Tandem und verbinden so Lebenswirklichkeit mit professioneller Expertise. Der Fokus liegt auf der Stärkung der Kompetenzen im Bereich Diskussionsführung, respektvollem Umgang miteinander, Austausch unterschiedlicher Lebenswirklichkeiten und der Übernahme anderer Perspektiven. Ziel ist es, trotz der Unterschiede die Gemeinsamkeiten zu finden, die für eine offene und demokratische Gesellschaft so dringend benötigt werden. Der Workshop gliedert sich in zwei Teile:

1. Meilensteine

Dieser Teil wird von den Jugendlichen mit Fluchterfahrung geleitet. Hierbei geht es um die Meilensteine in seinen bzw. ihrem Leben, welche in Beziehung gesetzt werden zu den Meilensteinen im Leben von in Deutschland geborenen Jugendlichen. Beispiele hierfür können sein:

  • Der 18. Geburtstag: Statuswechsel vs. Freiheit, Wahlrecht, Führerschein etc.
  • Schulabschluss: Der „Zwang“ eine Ausbildung zu machen vs. „Gap-Year“
  • Endlich ein Ausweisdokument erhalten darf vs. einen Reisepass besitzen mit welchem man in 179 Länder visafrei reisen darf.

2. Diskussionskompetenz

Diesen Teil leitet ein Rhetoriktrainer. Hierbei geht es um das Reflektieren des vorangegangenen Abschnitts. Das Ziel soll sein, die unterschiedlichen Lebensrealitäten festzustellen. Diese sollen jedoch nicht als Hindernisse, sondern als Grundlagen für einen gewinnbringenden und anregenden Austausch wahrgenommen werden. Im Anschluss werden gemeinsam mit der Gruppe Kompetenzen erarbeitet, mit welchen man einen solchen Austausch anregen, leiten und reflektieren kann. Zum Abschluss soll der Bogen zu unserer demokratischen und offenen Gesellschaft geschlagen und die Bedeutung einer respektvollen Gesprächskultur dafür verdeutlicht werden.

Modul “Parcour”

Durch verschiedene Stationen (Schlauchboot, Autokofferraum, Zelt) haben die Besucher*innen die Möglichkeit, verschiedene Inhalte der Flucht „nachzuempfinden“. Zudem werden kurze Sequenzen aus Fluchtgeschichten durch die Aufbereitung für VR-Brillen (Virtual Reality) hautnah erlebbar. Dieses Modul kann als Ergänzung/ Erweiterung zu allen anderen Modulen genutzt werden. Für das Modul „Parcour“ benötigen wir eine Turnhalle oder einen größeren Raum.

Das Logo des Projektes.

Zusammenfassung

Alle der angebotenen Module können miteinander kombiniert werden – so kann zum Beispiel die Ausstellung als Vor- oder Nachbereitung zu einem der theaterpädagogischen Module besucht werden oder man nutzt den Workshop um Inhalte aus den anderen Modulen zu vertiefen.

Kontakt:

Jochen Schneider | jochen.schneider@kubusev.org | Tel. 0711 888 999 12

Projektlaufzeit: 01.07.2018 – 30.06.2020

Das Logo des Bundesamtes
Dieses Projekt wird aus Mitteln des Asyl-, Migrations-und Integrationsfonds kofinanziert.